Umdeutung der Finanzkrise zur Schuldenkrise

Die andauernde Finanz- und Wirtschaftskrise lässt sich in verschiedene Phasen unterteilen. Dies nicht nur im Hinblick auf die einschneidenden politischen und ökonomischen Ereignisse wie Deregulierungsgesetzen, der Pleite der US-Hypothekenbank Lehmann Brothers oder der Verabschiedung von Bankenrettungspakten, die mit öffentlichen Einnahmen – sprich Steuermitteln – die angeschlagenen und wankenden Banken vor der Insolvenz retteten.

Ebenso lässt sich die Deutung, Darstellung und Erzählung der Krise unterteilen. Die erste Phase ab 2007/2008 zeichnete sich durch Kritik an einem überhitzten Finanzmarktkapitalismus aus und prangerte kurzfristige, allein Rendite orientierte Strategien der Banken, soziale Ungleichheit und mangelhafte Regulierung der Finanzwirtschaft an. Als Kernproblem galt die Abkoppelung der Finanzwirtschaft von der Realwirtschaft: Anstatt Unternehmen mit Krediten für Investitionen in die industrielle Produktion und der Schaffung von Dienstleistungsangeboten zu versorgen, übernahmen Spekulationen auf dem Finanzmarkt die Überhand.

Seit rund zwei Jahren ist die Erzählung allerdings eine gänzlich andere. Cicero Online bringt in einem bemerkenswerten Artikel diese auf den Punkt: „Wie aus der Finanz- eine Schuldenkrise gemacht wurde“. Aus Marktversagen wurde Staatsversagen: Nicht mehr ungezügelte Finanzmärkte sondern Staatsschulden wurden zur Verursachung der Krise herangeführt und die vergangene neoliberale Staatskritik so fortgeführt. Dass diese Umdeutung der Krise greifbare Folgen für die Politik hatte und hat zeigt die Austeritätspolitik Europas, das Ringen um und mit dem Sparen und auch die nach der Wahl Francoise Hollandes zum französischen Präsidenten zu beobachtende deutsch-französische Kontroverse. Wie sich die Banken „aus der Schusslinie“ nahmen und ihnen der „wohlgrößte PR-Coup der Geschichte“ gelang, kann im Cicero-Artikel nachgelesen werden.

Zurück