Studie „Lebenswelt junger Muslime"

Dass Studien zur Integrationspolitik und insbesondere zum Islam in Deutschland willkommenen Anlass zu selektiver Wahrnehmung, Vereinfachungen und empörenden Gesten – manche mögen sich gar an „Stammtisch-Parolen“ erinnert fühlen – bieten, ist nicht neu. Ebenso wenig überraschend sind das Instrumentalisieren von Unsicherheitsgefühlen und „Überfremdungsängsten“ in der Mehrheitsgesellschaft zugunsten von Selbstvergewisserungsprozessen im Angesichte von „Leitkultur“-Sehnsüchten und konservativer Identitätssuche. Dass diesem allerdings im Jahr 2012 ein Bundesinnenminister in dieser Deutlichkeit Vorschub zu leisten gedenkt, von Integrationsverweigerung und dem „Import autoritärer, antidemokratischer und religiös-fanatischer Ansichten“ spricht, ist durchaus bemerkenswert.

Wer die Studie „Lebenswelt junger Muslime“ mit eben jener Botschaft verbindet, setzt sich mindestens dem Verdacht aus, sie unaufmerksam gelesen haben. Die Botschaft der Studie, die 700 junge deutsche und nicht-deutsche Muslime in Deutschland befragt hat, ist vielmehr, wie Jonas Nonnenmann in der Frankfurter Rundschau es auf den Punkt bringt und anhand zentraler Aussagen der Studie im Anhang illustriert: „Ablehnung erzeugt keine Liebe“.

Wie auch im Lesebuch Integration, Zuwanderung und Soziale Demokratie (Lesebuch der Sozialen Demokratie 5) vielfach beschrieben, setzt eine gelungene Integration die wechselseitige Anerkennung und die Gewährung von Teilhabe voraus. Somit kann nicht Assimilation im Sinne der Unterordnung unter eine vermeintliche deutsche Leitkultur, sondern die Eingliederung von Migranten in die Aufnahmegesellschaft, ihre Gleichstellung in allen Lebensbereichen und die Anerkennung von Bestandteilen „ihrer“ kulturellen Identität sein. Richtig verstandener Multikulturalismus bedeutet somit nicht Trennung, sondern Zusammenleben.

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